Als Sohn eines Försters hatte Michael Jankowsky schon früh Kontakt einen Bezug zu Messern. Durch die Jagdmesser seines Vaters war das Interesse früh geweckt und der Gedanke, selbst einmal ein Messer zu bauen, entstand spätestens während seiner Berufsausbildung zu Möbeltischler. In die Tat umgesetzt wurde dieser jedoch erst 1997. Das erste Messer entstand aus einem Stück ATS-34, dass er abends vor dem Fernsehapparat nur mit einer Feile in Form brachte. Das war der Beginn einer Liebe, die bis heute andauert.
Die ersten Schritte
Die erste Werkstatt wurde im Keller seiner Berliner Mietswohnung eingerichtet. Nachdem dort eine Reihe von Messern entstanden war, meldete er sich 1999 relativ unbedarft als Teilnehmer zur Internationalen Messerausstellung in München (IMA) an. Das Plakat der Show mit Unterschriften wichtiger Szenegrößen hängt bis heute in seiner Werkstatt. Das Feedback des Publikums, aber insbesondere auch der Messermacherkollegen war so positiv, dass diese ihm die Mitgliedschaft in der deutschen Messermachergilde ans Herz legten. Ein Jahr später wurde er aufgenommen. Die Urkunde – unterschrieben von Wolfgang Dell, Friedrich Schneider, Wolf Borger und Egon Trompeter hängt – heute ebenfalls in der Werkstatt. Ein weiteres Jahr später zur IMA 2001 erhielt Michael Jankowsky für sein „Putten Jagdmesser“ den Preis für das beste Art Work.
„Das war jedoch nicht der Grund für die Anmeldung“, stellt Michael Jankowsky klar. „Einen Preis hatte ich nie im Visier. Messer zu bauen ist einfach meine Leidenschaft.“ Diese treibt ihn bis heute dazu, große Teile seiner Freizeit in seiner Werkstatt zu verbringen. Diese liegt momentan etwas außerhalb von Berlin auf einem Industriegebiet.
Die Werkstatt
Im Vergleich zu manch anderem Messermachern ist seine Werkstatt mit wenigen und eher einfacheren Maschinen ausgestattet. Eine Fräse, eine Tischbohrmaschine, eine Bandsäge, dazu ein Härteofen und eine Box zum Sandstrahlen sowie zwei Schleifmaschinen im Freien – das war’s. „Hi-Tech wird überbewertet. Man muss mehr Wert auf Handarbeit legen. Nur so entstehen qualitativ wirklich hochwertige Messer“, ist seine Meinung.
Messer in Vollintegral- oder Interframebauweise lässt er in den groben geometrischen Formen vorfräsen. Alle anderen Messer sowie alle weiteren Details entstehen bei ihm in der Werkstatt. Die grundsätzlichen Formen entstehen dabei am Bandschleifer, kleinere Radien werden auch mit Schleifausätzen an der Tischbohrmaschine geschliffen. Der Klingenschliff der meisten Klingen bringt er mit dem großen Stein der Schleifmaschine an, die er von einem alten Messermacher erwerben konnte. Dieser Stein hat ca. eine 200er Körnung und einen Durchmesser von 50 cm Durchmesser. Den Bandschleifer hat er in einem alten Katalog von Bob Loveless entdeckt und nachgebaut. Unterschiedliche Drehzahlen werden hier mit den Übersetzungen der Riemenscheiben geregelt. Einen Frequenzumrichter gibt es nicht.
Und der Rest ist Handarbeit. Folglich findet sich in der Werkstatt ein Sammelsurium an großen und kleinen Feilen in allen Formen, stapelweise Schleifpapier, ein Diamantschleifstab, Diamantpaste und eine ganze Reihe weiterer Finishing-Werkzeuge. Am Nachmittag meines Besuchs stand allein das Finish der Backen eines Integralmessers auf dem Programm.
Wie fein das Finish werden soll, stimmt Michael Jankowsky vorher genau mit dem Kunden ab. Gebrauchsmesser erhalten in der Regel eine 800er Satinierung. Bei Messern, die später graviert werden soll, geht das Finish bis zu einer 3000er Körnung. Dabei geht Michael Jankowsky nach der japanischen Methode vor. Bei jedem Wechsel auf die nächst feinere Körnung wechselt er auch die Schleifrichtung und schleift so lange, bis alle Spuren der gröberen Körnung verschwunden sind. „Auf diese Weise kann sich der Kunden sicher sein, dass wirklich das angegebene Finish drauf ist.“
Materialien
Am liebsten verwendet Michael Jankowsky rostträge Stähle: „Die meisten Messernutzer, die ich kenne, wollen ihr Messer nicht aufwendig pflegen und die sogenannte Patina mögen auch nicht alle. Die moderne Stahlforschung hat die pulvermetallurgischen Hochleistungsstähle nicht umsonst entwickelt“, schätzt er ein. Am Anfang verwendete Michael Jankowsky ATS-34 und RWL-34, später CPM 440V und CPM 420V. Heute verwendet er am liebsten ELMAX Superclean oder den ebenfalls pulvermetallurgisch erzeugten Damasteel. Eine Stange Niolox liegt jedoch auch schon in der Werkstatt. Diese soll voraussichtlich an einer Kleinserie einfacherer Messer getestet werden. Je nach Stahl, härtet Michael Jankowsky einfache Messer auch selbst. Aber Messer, in die schone viele Arbeitsstunden geflossen sind, gibt er lieber zu einer Härterei. Nach seiner Erfahrung lohnt es sich dabei, das Finish schon vor dem Härten relativ weit zu treiben.
Als Bauweise bevorzugt er Flacherl-Konstruktionen – entweder ganz einfach, d.h. nur mit Griffschalen oder in Integralbauweise. „Messer mit aufgesetzten Backen werde ich nicht mehr bauen. Mit dem Ergebnis bin ich nie richtig zufrieden. Da habe ich mittlerweile andere Qualitätsansprüche.“ Und dieser hohe Qualitätsanspruch gilt auch für die Griffe. „Wichtig ist es, hier Materialien zu wählen, die möglichst nicht Schrumpfen.“ Sein persönlicher Favorit ist dabei Wüsteneisenholz, aber auch Amboina, Mammut-Elfenbein, Elfenbein (mit CITIES), Hirschhorn oder Micarta wird verbaut.
Messerdesign
In den Schubladen der Werkstattschränke schlummern zahlreiche Ideen und nicht realisierte Projekte. Neben Designskizzen sind das z.B. Küchenmesser oder Folderkonzepte. Die in Jankowskys Werkstatt aufgereihten Messerschablonen, wecken Assoziationen zu der Werkstatt von Bob Loveless, wie man sie von Fotos kenn. Dieser ist ohnehin große Inspirationsquelle und viele von Jankowskys Designs sind seine Interpretation dieser klassischen Vorlagen. „Ich kann da machen, was ich will. Wenn ich Messer zeichne, komme ich immer wieder auf ähnliche Grundformen zurück. Das ist wie eine Handschrift“, meint er dazu. Zeigt man Michael Jankowsky Messer bzw. Skizzen und Entwürfe, entwickelt er sofort mögliche Verbesserung. Ist ein Stift greifbar, bringt er diese mit wenigen sicheren Strichen zu Papier.
Besonderen Wert legt er dabei auch auf die Entwicklung der optimalen Griffform. „Das muss in der Hand liegen, wie reingegossen – und zwar ohne Fingermulde. Die erweckt nur in einer bestimmten Handhaltung den Eindruck einer perfekten Passform. In anderen Positionen stört sie meist.“ Seine Griffe haben daher auf allen vier Seiten sanfte Rundungen und dezente Schwünge. „Die Finger sind rund, die fassen auch lieber runde Dinge an“, erklärt er diesen Ansatz. Um die perfekte Passform zu finden, erhalten seine Kunden zunächst auch erst ein Holzmodell des Messers zur „Anprobe“. Erst wenn das perfekt passt, beginnt er mit der Umsetzung in Stahl.
Qualität & Stil
Seinen Kaffee trinkt Michael Jankowsky aus der Tasse der Italienischen Messermacher Gilde, in die er anlässlich der Mailänder Messermesser im November 2007 aufgenommen wurde. Spricht man ihn auf die Ausstellungen in Mailand an, gerät er sofort ins Schwärmen über die stilvolle Italienische Messerszene und die außerordentlich hohe Qualität der ausgestellten Messer.
Diesen hohen Qualitätsanspruch verfolgt er auch mit seiner eigenen Arbeit und hofft, das Niveau immer noch weiter steigern zu können. Ausdauer bei jedem einzelnen Arbeitsschritt hält er daher für eine seine wichtigsten Eigenschaften. Erst wenn er mit der Qualität hundertprozentig zufrieden ist, geht er zum nächsten Arbeitsschritt über. Auf diese Weise entstehen hochwertige Messer im klassischen Stil. Diese werden oft durch Gravuren verziert. Sein teuerstes Messer bisher ging für 4.700 $ an den Kunden.
Wenn Michael Jankowsky nicht in der Werkstatt ist, ist am liebsten in der Natur: entweder mit seinen Hunden, im selbstgebauten Kanu oder beim Fliegenfischen. Für alle drei Dinge kann fast die gleiche Leidenschaft entwickeln, wie für seine Messer. Aber eben nur fast.






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