Eigentlich war ja alles ganz anders geplant aber wie so oft kommt vieles anders als man erst denkt. Die vier in Form geschliffenen Rohlinge lagen schon lange in meiner Werkstatt und machten mir ein schlechtes Gewissen, bis ich endlich Zeit für die Fertigstellung fand. Bei der Arbeit hat mich dann aber doch die “kreative Welle” erfasst und ich habe die Form der Klingen nochmals überarbeitet. Es sollte alles eleganter und flüssiger werden, ein kleineres Messer für den täglichen Gebrauch und den Einsatz unterwegs. So entstand das “Ferox Sicula”.
Für mich als “fachlich jüngstes” Mitglied der Ferronauten, war es sehr spannend mit “Fehlschärfe” und “Recurve” zu arbeiten. Die Freude war sehr groß, als alle vier Klingen nach dem Härten ohne Verzug von Stefan Steigerwald kamen (ca. 59 HRC). Zwei der Klingen wurden nach dem Finish mehrmals dunkel geätzt und poliert, die anderen beiden Klingen wurden fein poliert.
Bei der Beschalung sollten nicht ganz so häufig genutzte Materialien zum Einsatz kommen. Meine Wahl fiel auf zwei unterschiedliche Varianten Acetat, Elchknochen und Steineiche. Den Elchknochen habe ich in Anlehnung an amerikanischen “jigged bone” strukturiert. Das Acetat hat durch seine Transparenz eine optische Tiefe, die die Bilder leider nicht wirklich abbilden und das Muster der Steineiche sieht aus wie Feuer. Da auch eine fertige Klinge von Lars Modell “Dimidia” noch in meiner Werkstatt lag, wurde diese gleich mit verarbeitet. Auch hier habe ich mich für Acetat als Griffmaterial entschieden.
Da Acetat ein in Deutschland eher schwer zu beschaffendes Material ist und deswegen bei Messermachern nicht sehr häufig im Einsatz ist, hier eine kurze Materialbeschreibung: “Das Material wird aus Baumwollflocken gewonnen. Zellulose-Acetat gehört zur Gruppe der Thermoplaste und weist neben der guten Kratzfestigkeit eine gute Beständigkeit gegenüber Wasser, Fett und Öl auf. Es ist mit Azeton und Essigsäure löslich und daher gut bei Beschädigungen zu reparieren. Andererseits sollte aus dem gleichen Grund bei der Reinigung von Azetatgegenständen auf Lösungsmittel verzichtet werden. Zellulose-Acetat zeichnet sich durch seine überaus gute Bearbeitbarkeit aus. Das Material kann wunderbar gesägt, gefeilt, geschmirgelt und poliert werden. Bei Erwärmung kann es nach Wunsch geformt werden. Das Material wird in der Herstellung von Brillengestellen eingesetzt.
Ich habe einige Schritte der Herstellung mit Fotos dokumentiert. Es sind leider nicht alle Arbeitsschritte, da ich das Fotografieren oft im Eifer des Gefechts schlicht vergessen habe. Es wird aber mit Sicherheit nicht das letzte Mal sein, dass ich das “Ferox Sicula” gebaut habe, da mir das fertige Messer sehr gut gefällt. “Sicula” bedeutet übrigens “kleiner Dolch” und kommt aus dem Lateinischen.
Die Vier Brüder und das Dimidia werden in den nächsten Tagen hier bei den Ferronauten auf dem Marktplatz zum Verkauf angeboten. Dabei freuen wir uns natürlich sehr, dass Dimidia als erstes Gemeinschaftsprojekt der Ferronauten zu zeigen. Dieses Messer wird es allerdings nur einmalig von den Ferronauten geben.
Ferox Sicula:
1.2379 (D2), ca. 59 HRC, 3,3mm
Hohlschliff, leichter Recurve und Fehlschärfe, dünn ausgeschliffen,
poliert oder mehrmals geätzt und poliert
Klingenlänge 90mm
Klingenhöhe 30mm
Griffänge 95mm
Griffdicke 12,5mm
Beschalungen:
- Acetat “black sun”, Nieten und Fangöse Kupfer
- Acetat “liquid gold”, Nieten und Fangöse Kupfer
- Steineiche grundiert und geölt, Nieten und Fangöse Edelstahl
- Elchknochen strukturiert, Nieten und Fangöse Edelstahl
Ferronauten Dimidia:
Design von Lars (Burning Heart Knives)
Klinge geschliffen von Jürgen Schanz
SB1, ca. 60 HRC, 3mm
Flachschliff, Feinfinish poliert
Klingenlänge 80mm
Klingenhöhe 30mm
Griffänge 110mm
Griffdicke 12mm
Beschalung Acetat “tortoise shell”, Nieten und Fangöse Edelstahl
Ich hoffe Ihr habt Spaß mit den Bildern und findet eventuell die eine oder andere Anregung …






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