Nun, der eine mags, der andere nicht. Ich gehöre eindeutig zur ersten Fraktion, denn durch die Stabilisierung hab ich die Möglichkeit Hölzer zu verarbeiten, die sonst wegen der geringen Standfestigkeit völlig unbrauchbar wären.
Nun werden die Puristen wieder einwerfen, muss man doch gar nicht… es gibt genügend schöne Hölzer die man ohne stabilisieren verarbeiten kann.
Meine Antwort: Doch doch, das muss ! ,) Im Grunde haben sie ja nicht unrecht. Wer jedoch wie ich auf die bunte Vielfalt steht, mag sich dieser Auswahl nicht verschließen. Gerade bei den Schreibgeräten, die ich anfertige liegt die eigentliche Wandungstärke des Holzes zwischen 1-2mm. Da tut Stabilität nun mal Not ,)
Ein weiteres Argument keine Stabilisierten Hölzer zu verwenden ist die Haptik. Nun, das stimmt auf dasselbe Holz bezogen schon, generell kann man das nicht sagen, wie ich finde. Dem Kritiker empfehle ich mal sich die Augen zu verbinden, sich ein Stück stabilisiertes und ein Stück gut poliertes und dichtes Holz vor zu nehmen (z.B. Schlangenholz). Wer dann nach sagen wir 5 Versuchen immer richtig lag, gewinnt einen Preis seiner Wahl ,)
Was ist das denn nun, die Stabilisierung ? Damit ist ein Prozess gemeint, bei dem durch ein Druckverfahren (Vakuum oder Hochdruck) ein Werkstoff (PMMA, Epoxid, Cyan Acrylat) in Holz oder auch Horn und Knochen verbracht wird. Bei meinen Objekten verwende ich ausschließlich PMMA, bekannter als Plexiglas®, das ist aber Geschmackssache, ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht.
Nicht jedes Holz lässt sich stabilisieren. Schwere und dichte Hölzer eignen sich kaum oder gar nicht zur Stabilisierung (z.B. Schlangenholz). Ebenso sind harzhaltige (diverse Nadelhölzer) oder öl/fetthaltige Hölzer (diverse Palisanderarten) kaum oder gar nicht geeignet. Wunderbar eignen sich leichte, großporige und langfasrige Hölzer (z.B. Pappel). Eine Besonderheit stellen stockige Hölzer (auch marmoriert, angestickt oder spalted genannt) dar, welche sich meist hervorragend eignen. Dies sind keine eigenen Holzarten, sondern Holz, wo der Verfallsprozess schon eingesetzt hat, aber gestoppt wurde. Das eigentliche Holz eignet sich meist nicht zur Stabilisierung bzw. ist es dort nicht notwendig. Als Beispiel sei hier Apfel genannt.
Diese leichten oder stockigen (aber wunderschönen) Hölzer sind in der Fertigung für Schreibgeräte oder Messer beispielsweise durch ihre geringe Standfestigkeit völlig unbrauchbar. Die Stabilisierung macht das wieder wett. Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand, eine Vielzahl von Nachteilen die Holz als Werkstoff mit sich bringt werden durch die Stabilisierung aufgehoben. Das stabilisierte Objekt nimmt praktisch kein Wasser mehr auf und ist gegen eine Vielzahl von aggressiven Flüssigkeiten nahezu resistent. Extremfälle, wie sehr starke Temperaturschwankungen, zu große Feuchtigkeit oder Nässe, die Holz unter Umständen mit Reißen oder Schwinden quittiert, machen dem stabilisiertem Objekt in keinem Fall etwas aus.
Noch noch einige Fotos, darunter ein Füller in stabilisierter Rosskastanie Maser, eine Tischuhr Rosskastanie mal zum Vergleich nicht stabilisiert und einige stabilisierte Messerblöcke (Pappel Maser, schwarz-weisses Ebenholz Maser, Apfel gestockt, Buche gestockt, Pappel Maser gefärbt, Karelische Birke gestockt und Black Palmira).
Viele Grüße
Ulf


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