Serienmesser zu optimieren und zu individualisieren ist eigentlich keine neue Idee. Austauschgriffschalen für eine große, herstellerunabhängige Modellpallette zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten, jedoch schon. Diesen Mittelweg zwischen Einzelauftrag und Serienfertigung hat die Firma Custom.Scale.Division vor einiger Zeit eingeschlagen. Da ich selbst schon verschiedene Taschenmesser optisch und funktional aufwerten lassen habe, interessierten mich die Hintergründe. Das folgende Interview mit dem Mitgründer und -inhaber wurde per E-Mail geführt.
Ferronauten.de: Seit wann gibt es die Custom.Scale.Division?
Luke: Die Custom.Scale.Divsion gibt es jetzt genau ein Jahr. Im Dezember 2008 fiel der Startschuss. Anfangs war es mehr ein Hobby, wobei wir relativ schnell an den Punkt gekommen sind, an dem die Nachfrage so groß wurde, dass aus dem Hobby mehr wurde. Mittlerweile ist es ein Fulltime-Job.
Obwohl wir anfangs das Ziel hatten, dem Endkunden die Möglichkeit zu geben, aus einem einfachen Serienmesser eine Art Semi-Custom zu machen, ist es mittlerweile so, dass wir auch den Hersteller beliefern. Angefangen hat es mit der Tactical-Forum-Sonderserie der Pohlforce Hornet. Aktuell ist einiges in der Planung, wobei da noch nichts verraten wird.
Wer verbirgt sich hinter Eurem Firmennamen?
Die Idee zu Cuscadi hatten ein Freund und ich wie gesagt vor genau einem Jahr. Mittlerweile ist Cuscadi an die Firma angeschlossen, die ich mit meiner Mom zusammen habe – unser Familienbetrieb quasi. Wie soll ich das sagen, ich bin Cuscadi. Wobei in einem Familienunternehmen, wie es der Name schon sagt, die Family mit anpackt. Und natürlich unser Hund Ozzy, der jeden Samstag in der Werkstatt nach dem Rechten sieht.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Messergriffschalen anzubieten?
Die Idee war simpel. Ich bin seit Jahren ein Sammler von Turnschuhen. Daher weiß ich, dass man sich nicht jedes Sondermodell leisten kann, egal wie sehr man es haben will. So verhält es sich mit den Messern ja im Prinzip auch. Ein SnG von Strider sprengt bei vielen schon den Geldbeutel. Aber eine Limited Edition von denen ist dann eine Splitterbombe. Bei Nike gibt´s ID, wo man sich ein reguläres Modell nach seinen Wünschen gegen einen fairen Aufpreis gestalten kann. Und das war die Grundlage. Warum nicht einen Service anbieten, der aus einem Serienmesser eine Art Unikat macht. Knife ID quasi, nur fand ich den Namen nicht besonders.
Warum hast Du dieses Konzept ausgerechnet auf Messer übertragen? Wo kommt Dein Bezug zu Messern her?
Zum Thema Messer kam ich eher zufällig. Ich wollte mal ein geiles Küchenmesser haben. Also habe ich angefangen, mich einzlesen, probiert und getestet. Mein Erstes war ein Böker Subcom, weil es nicht nur ein Messer ist, sondern eigentlich ein Gadget.
Wenn du was sammelst, dann sind Sonderserien was richtig Feines. Jetzt sammel ich eben Turnschuhe und setze den Einfluss dann im Job um.
Eurer Homepage ist zu entnehmen, dass Ihr auch weltweit versendet. Aus welchen Ländern kommt die größte Nachfrage?
Wir versenden mittlerweile in die halbe Welt – von Vancouver bis Sydney. Letzte Woche kam eine Bestellung aus Malaysia. Aktuell kommt der Großteil aus Deutschland. Klar, wir sind hier in den zwei großen Foren aktiv, aber die Amis ziehen nach. Ich denke, dass man da aktuell von einem 60:40-Verhältnis ausgehen kann, wobei ich Excel noch nicht angeschmissen habe.
Welche Modelle sind momentan „der Renner“?
Die Dauerbrenner in den USA sind Griptilians & Mini Griptilians von Benchmade. Ich glaube, dass jeder da drüben mindestens zwei davon hat. In Deutschland sind es Alpha One und Alpha Two von Pohl Force, Spydercos und auf jeden Fall Victorinox.
Mit welcher Technik und welchen Werkzeugen arbeitet Ihr?
Wir haben eine große CNC Bohr- / Fräsmaschine. Das macht es uns möglich, die Innenleben der Schalen sauber auf den Punkt zu fräsen. Das ist auch der wichtigste Schritt in der Fertigung, denn so können wir replizierbare Produkte anbieten, die immer gleiche Parameter haben. Darüber hinaus nutzen wir neben Dremel, Bohrmaschine und Schleifbock natürlich auch die gute alte Feile und Schleifpapier.
Was sind die typischen Arbeitsschritte?
Um zu den Möglichkeiten einer neuen Schale überhaupt was sagen zu können, müssen wir das Teil erstmal befingern, sprich: das Teil muss zu uns.
Dann wird erstmal demontiert und geschaut, wo es schwierig werden könnte. Danach werden die Maße abgenommen und das CNC-Programm geschrieben. Zu jedem neuen Modell fertigen wir auch jeweils erst einmal einen Prototyp aus Holz, an dem wir probieren, ob alles passt. Wenn ja, dann geht´s mit dem finalen Produkt weiter, oder es wird noch mal korrigiert.
Bei Holz folgt dann das Finish am Holz, also polieren und ölen. Bei synthetischen Materialien hängt es davon ab, ob wir die Schalen grooven oder ein anderes Finish aufbringen. Nach der Handarbeit wird das Set montiert und noch mal geschaut, ob alles passt. Klar kann es passieren, dass man da noch mal was sieht, dass geändert werden muss. Oder man übersieht es, wie bei Deinem Stretch. (Anmerkung: Das Problem wurde allerdings schnell und kulant behoben.)
Und last but not least: Fotos machen, Verpacken und zur unglaublich langsamen Rodgauer Postfiliale.
Wie geht ihr heran, wenn ihr Griffschalen für ein neues Modell vorbereitet?
Grundsätzlich wie gerade beschrieben. Bei neuen Modellen versuchen wir dem Kunden bei der Auswahl des Materials zur Hand zu gehen. Klar gehen wir auf Kundenwünsche ein, sagen aber auch, wenn etwas zu überdreht ist oder es nicht zum Gesamtbild passt.
Wie gesagt, ich bin ein Turnschuhfreak und da ist es so, dass Sondermodelle immer an ein Thema angelehnt sind. Bei mir ist das auch so. Ich habe oft ein Thema vor Augen, wenn ich mich an eine bestimmte Ausführung mache. Du siehst was an dem Messer, dass dich an einen Film, ein Bild oder was auch immer erinnert. Und dann sieht man genauer hin und entdeckt immer mehr, was sich mit dem Thema deckt. Material, Finish etc.
So z. B. unsere Pohl Force Hornet zum letzten Terminator-Film. Hybridmaterial wegen Hightech, dazu ein roter Glowspot wie das Auge, das seit t1 die Filmplakate ziert. Oder auch das Modell „BATMAN“ auf Basis eines Hissatsu von CRKT mit schwarzem Ceraglas. Ich war in dem Film und ich fand sein ganzes Equipment einfach geil. Da hab ich dem Hissatsu ein Gewand aus einem schwarzen Compound gebaut, das Batman in meinen Augen an seinem Gürtel tragen könnte. Wenn man schon die Idee hat, Custom-Schalen zu machen, warum denn nicht etwas, was man selbst gerne mag.
Wie läuft es ab, wenn man Griffschalen für ein Modell haben will, dass Ihr noch nicht im Angebot habt?
Wie man sich vorstellen kann, haben wir zum einen nicht jedes Messer auf Lager und zum anderen auch gar nicht die Zeit, uns nach unserem Gusto ein Messer heraus zu picken und uns austoben. Ein Großteil unseres Sortiments basiert auf Kundenwünschen. Also einfach anfragen. Wir schauen uns dann erstmal Bildmaterial zu dem jeweiligen Messer an und gucken, ob auf dem Bild nicht eventuell schon klar wird, dass man beipielsweise die Schalen nicht tauschen kann. Wenn auf den ersten Blick nichts dagegen spricht, bitten wir den Kunden, uns sein Messer zu schicken, damit wir daran arbeiten können.
Die Wartezeit beträgt allerdings mittlerweile ungefähr drei Wochen, denn es tauchen immer mehr neue Modelle in den Anfragen auf. Der zeitintensive Step an jeder Schale ist der Code für die CNC, wobei wir dabei keinen Unterschied machen, ob neues Modell daraus wird oder nicht – auch wenn wir Gefahr laufen, dass das Messer nicht noch mal angefragt wird.
Im Grundsatz haben wir gerne jedes Messer, für das wir etwas fertigen, bei uns hier im Haus. Der Hintergrund ist folgender: Einmal hatten wir von einem Kunden gleichzeitig drei Militarys von Spyderco da. Und alle drei waren in irgendeiner Weise unterschiedlich. In der Regel sind Serienmesser immer gleich, aber solche Ausnahmen bestätigen die Regel. Da ist es besser, wenn wir feststellen, dass wir da noch mal ran müssen, bevor der Kunde uns kontaktiert, weil etwas nicht passt.
Kann man grundsätzlich mit jedem Modell zu Euch kommen oder gibt es Einschränkungen?
Wie gesagt, wir versuchen im Vorfeld zu klären, ob es generell machbar ist. Was wir ungern machen, ist z. B. Nieten knacken oder Ähnliches. Es ist schwer zu sagen, was eine Einschränkung ist. Aber im Groben sind es z.B. die Größe und Dicke des Materials oder eine bestimmter Fertigungsschritt.
Welche Materialien habt ihr momentan im Angebot und was wollt ihr zukünftig noch anbieten?
Aktuell bieten wir neben unserem Aero Carbon und Hybrid synthetische Materialien wie G10, G11, Micarta, Kohlenstoff-Micarta und das Ceraglas an. Daneben verarbeiten wir Edelhölzer wie Cocobolo, Zirikote, Ebenholz und viele andere Hölzer.
Welche Materialien sind technisch nicht machbar?
Nicht machbar ist zum aktuellen Zeitpunkt Metall, denn unsere Fräse ist für Metall nicht ausgerichtet. ABER: Mit dem Umzug in unseren neuen Räume haben wir auch neue Nachbarn. Einer von Ihnen hat eine Metallverarbeitung und somit werden wir den Stein in 2010 aus dem Weg räumen.
Welche Modelle sind momentan in Vorbereitung?
Aktuell haben wir einen Haufen neue Modelle auf Kundenwunsch zu modden. Mit dabei ist Cold Steel, Extrema Ratio und viele Messer von Benchmade und Spyderco. Wir gehen in der nahen Zukunft auf jeden Fall das Thema Klingen an. Sprich: Custom Klingen für Serienmesser. Den Anfang hat mein Böker Subcom gemacht, dass mittlerweile eine Klinge aus Gattersäge trägt. Zudem plane ich noch etwas im Bereich Tactical Kitchen, wobei ich da noch nichts Genaues sagen kann, da ich da erstmal die Planung anschieben muss.
Die Ferronauten danken für das Interview. Mehr Bilder von Messern mit den angepassten Griffschalen gibt es unter www.cuscadi.de






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