Hallo liebe Messerbegeisterte,
heute möchte ich Euch mal wieder mit etwas praktischem Messerbau beglücken und Euch den Bau von Spitzerl-Messern etwas näher bringen. In diesem Fall waren es gleich 3 Messer im Nordischen Stil. Zum besseren Verständnis habe ich den Werdegang wieder mit einigen Fotos dokumentiert.
Als Ausgangsmaterial für die Klingen kam nicht rostfreier Damaststahl (1.2842) und 75Ni8) zum Einsatz. Gehärtet wurden die Klingen bei ca. 830° C. Danach wurden sie 2 x 1 h bei 180° C angelassen, was einer Härte von ca. 58 HRC entspricht. Für die Griffe habe ich mich für Makassar-Ebenholz, Jarrah-Maser und Rentier-Horn & Oosik in Verbindung mit Mammutelfenbein und farbigem Fiber entschieden. Für den Griffschutz kommt Titan zum Einsatz, das den Vorteil eines sehr niedrigen Gewichts hat und auch nach langer Zeit nicht anläuft wie z.B. Neusilber oder Messing. Des Weiteren wird jede Klinge mit einem vernieteten 3mm-Titanpin gesichert.
Begonnen habe ich mit dem Zurechtsägen und Grobanpassen der Griffmaterialien. Im nächsten Arbeitsschritt wird der angezeichnete Schlitz in den Griffschutz gefräst. Wer keine Fräse hat kann natürlich auch mit der Tischbohrmaschine einige Bohrungen nebeneinander setzten und sie dann passgenau zurechtfeilen. Der Griffschutz wird dann an den Klingengriff angepasst, genau wie alle anderen Komponenten. Hierbei ist zu beachten, das der Titan-Griffschutz absolut passgenau sitz. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Komponenten bündig ausgearbeitet sind, damit später im fertigen Zustand keine Spalten zu sehen sind. Dann werden die einzelnen Teile sauber miteinander verklebt und zur Sicherheit ebenfalls noch mal vernietet. Wenn der Zweikomponenten-Kleber durchgehärtet ist kann mit dem Bandschleifer oder mir einer Raspel das Messer grob in Form gearbeitet werden. Danach wird der Griff fein geschliffen und poliert.
Für die Lederscheide kommt 2mm dickes Leder zum Einsatz. Dabei dient das Messer als Schnittschablone um später eine gute Passgenauigkeit zu gewährleisten. Die einzelnen Teile werden miteinander verklebt, vernäht und ggfl. gefärbt und punziert. FERTIG!
Was ich hier jetzt so schnell aufgelistet habe entspricht real etliche Stunden genauester Arbeit um zu solchen Unikaten zu kommen. Habt bitte Verständnis dafür, dass ich nicht jeden Arbeitsschritt im Einzelnen wiedergeben kann, da ich sonst zu nichts anderem mehr käme.
Ich hoffe, Ihr hattet etwas Spaß an meinen Ausführungen und schaut mal wieder bei den Ferronauten rein.
Lieben Gruß
Reiner

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29. Juli 2009 um 00:27
Die Rentier-Oosik-Kombination gefällt mir am meisten…